⁎ 14. Juli 1860 in Eupen | † 21. November 1936
Mathilde Wetzlar-Peters
Wer heute in Eupen das Wetzlarbad oder den Bellmerin kennt, denkt dabei selten an die Frau, die hinter diesen Namen steht, weswegen es umso wichtiger ist ihr diese Aufmerksamkeit zu schenken. Mathilde Wetzlar-Peters wurde am 14. Juli 1860 als Mathilde Julia Margaretha Peters, Tochter des Textilfabrikanten Wilhelm Peters, geboren. 1880 heiratete sie Robert Wetzlar der zu diesem Zeitpunkt Teil der kaufmännischen Firmenleitung der Fabrik ihres Vaters war. Robert konvertierte für seine Frau vom Judentum zum Protestantismus und die Ehe blieb kinderlos. Ihr Engagement für die Stadt Eupen war eigenständig und von hoher Bedeutung, weswegen sie diese öffentliche Anerkennung verdient hat.
Das bedeutendste gemeinsame Projekt des Ehepaares war die Gründung einer gewerblichen und kaufmännischen Fachschule im Bellmerin. Am 10. Mai 1905 wurde diese eingeweiht. Dort boten sie Unterricht für Kinder aller Geschlechter und dazu war die Schule mit einer Haushaltungsschule verbunden. Ein sozialer Auftrag kam dabei ausdrücklich hervor: Kinder aus sozial schwachen Familien sollten Zugang zu beruflicher Bildung erhalten, was der lokalen Textilindustrie zugutekam, da so das Angebot an Fachkräften in der Gegend stieg. Die Schule könnte man als Familienunternehmen bezeichnen, da von Anfang an, ein Großteil der Familie Peters im Schulvorstand mitwirkte.
Welchen konkreten Einfluss Mathilde auf Gründung und Betrieb der Schule hatte, lässt sich aus den vorhandenen Quellen nicht belegen. Gemäß dem Rollenverständnis ihrer Zeit war sie als Gattin eines „königlichen Kaufmannes“ mit der Führung des Haushaltes beschäftigt; öffentliches Wirken war nicht vorgesehen. In den Erinnerungen ehemaliger Lehrkräfte wird lediglich ihre Anwesenheit festgestellt. Sie war, wie Waltraud Menn es formuliert, „die oft zitierte ‚Frau an seiner Seite‘.“
Das änderte sich mit dem Tod Robert Wetzlars am 1. September 1912, der unter größter Anteilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen wurde. Als alleinige Erbin eingesetzt, trat Mathilde nun aktiv in Erscheinung: Sie überwies Mittel an die Schulstiftung und kümmerte sich intensiv um die Baupläne und technischen Fragen des „Volksbades“, das Robert 1911 der Stadt Eupen gestiftet hatte. Der Briefwechsel mit der Stadtverwaltung zeugt laut Menn „von großer Hartnäckigkeit.“ Der Erste Weltkrieg beeinträchtigte den Schulbetrieb: Lebensmittelknappheit und Einquartierung von Truppen störten den Alltag, brachte ihn aber nicht zum Erliegen. Nach dem ersten Weltkrieg wechselte das Gebiet Eupen-Malmedy durch den Versailler Vertrag die Nationalität und wurden belgisch. Das hatte zur Folge, dass der Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit die jährlichen Fördermittel strich. Die Auflösung des Stiftungsvermögens geschah nach zwei Jahren hartnäckiger Verhandlungen und wurde im Juni 1919 an die Stadt Bonn übertragen. Die Gebäude im Bellmerin verkaufte Mathilde Wetzlar an die belgische Militärverwaltung. Seit dem 1. Oktober 1921 wird an der Bonner Fachschule, die heute Robert-Wetzlar-Berufskolleg heißt, unterrichtet.
In Bonn blieb Mathilde der Schule eng verbunden: Sie nahm an Prüfungen teil, unterschrieb in den ersten Jahren die Zeugnisse und pflegte das Tafelsilber und die Tischkultur aus der Eupener Zeit. Pfarrer Haun, der Mathilde aus seiner Kirchengemeinde kannte und sie am Krankenbett besuchte, charakterisierte sie in seiner Gedenkrede als Persönlichkeit voller Gegensätze: „Dieses Ineinander von Herbheit und Zartheit“, „mit beiden Beinen auf der Erde stehen und dann doch den Klängen einer anderen Welt hingegeben“, verbunden mit „dem Hunger nach Menschen und Freundschaft und feiner innerer Anlehnung.“ In ihren letzten Lebensjahren lebte sie zurückgezogen. Haun sagte, sie sei einsam gewesen, „nicht mehr alles verstehend und an vielem sich reibend“, möglicherweise angesichts der politischen Veränderungen durch den Nationalsozialismus oder der Schwächung der Schule, die 1935 nur noch 116 Schülerinnen zählte. Am 21. November 1936 starb sie; nach der Einäscherung wurde sie auf dem Eupener Friedhof an der Seite ihres Mannes beigesetzt.
Quellen:
Broschüre „Industriegeschichte der Eupener Unterstadt“, Ostbelgien Kulturerbe: https://ostbelgienkulturerbe.be/PortalData/31/Resources/dokumente/news/Broschuere_Industriegeschichte_der_Unterstadt.pdf
EupenABC (genaues Datum); Wikipedia, „Robert Wetzlar“ (Schulprofil)
Kever, Leo: „Mathilde Wetzlar-Peters, eine große Eupener Persönlichkeit“, in: Wochenend-Magazin, 13. August 2005
Menn, Waltraud: „Mathilde Wetzlar: ‚die Frau an seiner Seite'“, in: Geschichtliches Eupen, Bd. XL, Grenzecho Verlag, 2006, S. 53–58
Wikipedia, „Robert Wetzlar“: https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Wetzlar








