Gertrud Palm
Vorbild für Nächstenliebe – Gertrud Palm half immer und überall
1857-1945
Im Jahr 1857 kam Gertrud Palm als jüngstes von sieben Kindern der Eheleute Peter Palm (1816-1888) und Gertrud Klee (1815-1880) zur Welt. Die Eltern hatten 1842 geheiratet; ihr Vater war Dachdeckermeister, ihre Mutter Wollsortiererin. Zwei ihrer Schwestern, Anna und Elisabeth, starben bereits im Säuglingsalter.
Schon früh zeigte sich Gertruds Liebe und Hilfsbereitschaft gegenüber Armen und Bedürftigen. Als 1914 der Krieg begann, meldete sich „Traudchen“ sofort als freiwillige Helferin in der Kriegsküche. Mit großem Einsatz sammelte sie Lebensmittel und Bargeld für die Zubereitung von Mahlzeiten. Traudchen Palm, ein kleines, rundliches Persönchen, führte über Generationen hinweg den Haushalt der Eupener Familie The Losen-Endemann und arbeitete als Köchin bei Hochzeiten, Kommunionen und anderen Festen. Trotz ihrer „rauen Schale“ hatte sie ein goldenes Herz und half, wo sie nur konnte.
Gertrud Palm wohnte am Kirchhofsweg, auch bekannt als das Kloster, an der heutigen Simarstraße. Während des Ersten Weltkriegs sammelte sie Geld, Lebensmittel und Kleidung, um den Soldaten an der Front Päckchen zu schicken. Nach dem Krieg organisierte sie Feste und Veranstaltungen, um zurückgekehrte Soldaten und ihre Familien zu unterstützen. Dabei kümmerte sie sich auch um die öffentliche Anerkennung und Ehrung der Soldaten.
Traudchen vergaß nie, Danke zu sagen. Bei jeder Veröffentlichung ihrer Sammelergebnisse lobte sie die Spendenfreudigkeit der Eupener. Sie zeichnete sich durch große Hartnäckigkeit aus: Was sie sich vornahm, setzte sie durch. Das brachte ihr Anerkennung, führte aber auch zu Reibungen, sowohl mit den Behörden als auch innerhalb der Bevölkerung. Man nannte sie manchmal „Palme Drütt“ in Eupener Platt, wenn ihre Aktionen auf Ablehnung stießen.
Mit ihrer Sammelbüchse war Traudchen bei jeder Gelegenheit unterwegs: in Wirtshäusern am Sonntagmorgen, bei Festen in Sälen, an Kirchtüren und Friedhofseingängen – bei jedem Wetter. Sie sammelte so unermüdlich, dass man sie bald nur noch „Sammelhäuschen“ nannte. Auch nach dem Krieg, als die Soldaten wieder zu Hause waren, blieb sie tätig und war am Friedhofseingang anzutreffen, selbst wenn sie alt und gebrechlich geworden war. Schließlich ließ sie sich einen Sessel bringen, um dort sitzen und weiterhin Spenden sammeln zu können.
Für ihr Engagement erhielt sie mehrere Auszeichnungen, auf die sie sehr stolz war. Am 28. August 1929 verlieh ihr König Albert die „Goldene Palme zum Kronenorden“. Bei der Feier bedankte sie sich mit den Worten: „Sehr geehrter Bürgermeister, angesichts der großen Ehrung, die mir soeben von seiner Majestät, dem König, zuteilwurde, kann ich versichern, dass meine Freude darüber so groß ist, dass ich nicht weiß, wie ich meinen Dank ausdrücken soll. Es ist richtig, dass man mir keinen Dank verlangt; für mich galt stets die aufrichtige Erfüllung einer Menschenpflicht im Dienste des Nächsten. Man nehme denn die Versicherung entgegen, dass ich in meinem Eifer, dem Nächsten zu dienen, nie ermüden werde.“
Als König Leopold III. im Jahr 1938 Eupen besuchte, wurde Gertrud Palm ihm vorgestellt. Stolz präsentierte sie vor ihrem Haus ihre Orden. Als der König vor ihr stand, sagte sie stolz: „Den habe ich von Ihrem Vater bekommen.“ Der König antwortete nur: „Schön, schön,“ und ging weiter, was Gertrud enttäuschte.
Auch in den Jahren zwischen den Weltkriegen blieb sie für Bedürftige aktiv. Sie sammelte Geld für Kohlen, Lebensmittel und Kleidung und versendete zu Weihnachten Extrapakete. Darüber hinaus sammelte sie für Gedenktafeln in Kirchen, um den Kriegsopfern zu gedenken. Noch 1939 erschien eine Anzeige von Gertrud Palm, in der sie sich für die Spendenfreudigkeit bedankte (Eupener Zeitung, 16.1.1939).
Gertrud Palm wurde 87 Jahre alt. Sie fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Eupener Friedhof im Familiengrab, das ihr Neffe Josef Fischer für sie erworben hatte. Kurz nach ihrem Tod erschien im GrenzEcho am 19. Mai 1945 ein Leserbrief, der zeigt, wie bekannt und beliebt „Sammelhäuschen“ in Eupen war:
Nachrufe und Todesanzeigen:
Projekt „Gegen das Vergessen“- fachübergreifender Unterricht – B. Bastin– ZFP Eupen:
Zum Gedenken an Gertrud Palm
1857-1945
Brief – Oktober 2024
Sehr geehrte Frau Palm,
im Rahmen unseres Projekts „Gegen das Vergessen“ haben wir, die Schülerinnen und Schüler, über Ihr Leben recherchiert und Sie dabei näher kennengelernt. So entdeckten wir eine mutige Frau mit einem großen Herzen.
Schon früh und über viele Jahre hinweg waren Sie die gute Seele der Familie The Loosen in Eupen. Daneben stellten Sie Ihr Kochtalent bei vielen Festen in Eupener Familien unter Beweis.
Der Erste Weltkrieg erschütterte Sie tief und motivierte Sie, mit Energie und Durchsetzungsvermögen Ihre Sammeltätigkeit aufzunehmen. Es gab so viele Bedürftige: die Soldaten an der Front, kinderreiche Familien, alte Menschen…
Auch nach dem Krieg fanden Sie neue Gründe, weiter zu sammeln, und blieben bis ins hohe Alter unermüdlich tätig. Bescheiden und anspruchslos wurden Sie durch Ihre Sammlungen bald so bekannt, dass man Sie liebevoll „Sammelhäuschen“ nannte.
Mit diesen Zeilen möchten wir unsere Bewunderung für Ihr unermüdliches Engagement im Dienst der Schwächeren und Bedürftigen ausdrücken. Würden Sie heute leben, wären Sie die ideale Politikerin oder Anwältin für die Armen.
Mit Ihnen als Vorbild gilt Ihnen unsere tiefste Anerkennung.
In diesem Sinne verabschieden wir uns, liebe Frau Palm.
Die Schülerinnen und Schüler des ZFP Sekundar Eupen

Quellen:
Gegen das Vergessen, Inspirierende Lebensgeschichten aus Eupen und Umgebung; Zentrum für Förderpädagogik
GrenzEcho: Bericht 18.8.2018 von Claire Meyers-Michel
Fliegende Taube,
Eupener Nachrichten
Eupener Zeitung
Geneanet Familienforschung
https://www.michel.be/php-bin/indiv.php?id=11510
https://www.wgff-tz.de/details.php?id=306838
Literatur:
Alt Eupener Bilderbogen XXII – Leo Kever
Geschichtliches Eupen Band II 1969
Geschichtliches Eupen Band XXXV 2001










